Kerzenrohstoffe

Wachs, Docht und Farbe
Als Brennmassen verwenden wir verschiedene Wachse. Den weitaus größten Platz nimmt dabei das Paraffin ein. Ein verhältnismäßig kleiner Prozentsatz der Kerzen wird aus Stearin (besonders tropffest), aus Bienenwachs oder aus Mischungen dieser drei genannten Wachse hergestellt. Für Stundenbrenner, Öllichte und Kompositions - Öllichte benutzen wir gehärtetes Pflanzenöl, festes Pflanzenfett oder Öle und Fette tierischen Ursprungs. Manchmal werden auch Hartwachse beigemischt. Damit können wir die Verarbeitungsfähigkeit der Zug- und Gießmassen, den Härtegrad oder den Glanzeffekt des Außenmantels günstig beeinflussen. Bleiben wir jedoch bei den heute am häufigsten gebrauchten Wachsen

Paraffin
Dieses Wachs - zwischen 1830 und 1840 erstmals für die Kerzenherstellung eingesetzt- wird heute überwiegend aus Erdöl gewonnen. Bei der Destillation des Rohöls werden - entsprechend ihrer unterschiedlichen Siedepunkte - verschiedene Produkte herausgetrennt ( fraktioniert ). Interessant für die Paraffinerzeugung sind die in einer bestimmten Verfahrensstufe anfallenden Paraffingatsche. Sorgfältigst gereinigt und von unerwünschten Anteilen befreit, erzielen wir am Ende die erwünschte Paraffinqualität.
Chemisch gesehen sind Paraffine gesättigte Kohlenwasserstoffe (Alkane), die auch als Normal- oder Iso - Paraffine bezeichnet werden. Paraffin wird in Form von feinem weißen Pulver, als Pastillen oder Tafeln und auch flüssig (in beheizten Tankzügen) geliefert. Ein besonderer Vorteil dieser Wachsart besteht darin, daß sie in den verschiedenen Verfahren zur Kerzenherstellung gleichermaßen gut funktioniert.

Stearin
Stearin ist erst seit 1811 aufgrund einer Entdeckung des Franzosen Chevreul bekannt Dieses Wachs wird aus tierischen und pflanzlichen Ölen und Fetten gewonnen. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Gemisch verschiedener Fettsäuren, das heißt: im wesentlichen Palmitin- und Stearinsäure, mit Kettenlängen von 16 bzw. 18 Kohlenstoffatomen. Das Stearin wird in Perlen- oder Flockenform angeboten. Bei großen Abnahmemengen auch flüssig.

Bienenwachs
Das Bienenwachs ist ein Stoffwechselprodukt der Honigbiene. Die Arbeitsbienen fliegen im Alter von 13 - 18 Tagen noch nicht aus, sondern werden von älteren Bienen mit Pollen und Nektar gefüttert. Diese sogenannten Baubienen produzieren das Wachs in den Wachsdrüsen. Das Wachs wird an der Bauchseite ausgeschieden und von den Baubienen zum Wabenbau eingesetzt. Dieses sogenannte ,Jungfern'- Wachs ist völlig farblos. Da die Wachserzeugung der Bienen geringer ist als die von Honig, steht dieser Rohstoff auch nur begrenzt zur Verfügung. Die Farbe und den angenehmen Geruch bekommt das Bienenwachs im Laufe der Zeit durch den Kontakt mit Honig und Pollen. Das Wachs wird aus den Waben durch Ausschmelzverfahren gewonnen. Im Rohzustand ist Bienenwachs rotbraun bis hellgelb und enthält noch erhebliche
Verunreinigungen. Für die Herstellung von Kerzen ist eine Reinigung des Wachses mit Hilfe einer Filtration erforderlich, hierbei werden auch durch Mischchargen verschiedener Rohstoffe einheitliche gelbe Farbtöne erzielt. Bienenwachs besteht hauptsächlich aus Wachsestern und Säuren sowie Kohlenwasserstoffen. Der natürliche Kohlenwasserstoffgehalt liegt bei 13-18%, der Anteil Ester und Säuren bei ca. 70%.

Docht
Der Docht wird in der Regel aus Baumwollgarnen geflochten. Er muß über eine ausreichende Saugfähigkeit verfügen und für den Einsatz verschiedener Kerzenrohstoffe und Herstellungsverfahren aufbereitet sein.
Man unterscheidet zwischen Flach- und Runddochten. Beide sind geeignet für die Herstellung von Kerzen aus Paraffin, Stearin und deren Kompositionen. Runddochte werden außerdem bei Bienenwachskerzen und Kompositionskerzen mit Bienenwachsanteilen verwendet. Die Auswahl der Dochte ist für die Brennqualität der Kerzen von ausschlaggebender Bedeutung. Sie sind abgestimmt auf den Kerzendurchmesser, auf die eingesetzten Rohstoffe, Farben und Lacke, wie auch auf das jeweilige Herstellungsverfahren.
Die Erfahrung lehrt:
Ein zu klein dimensionierter Docht schränkt die Saugfähigkeit ein, was zu einem hohen Flüssigkeitsstand in der
Brennschüssel führt. Das Wachs rinnt, und die Flamme kann verlöschen.
Ein zu starker Docht mit einer hohen Saugfähigkeit bildet zwar eine trockene Brennschüssel, aber aufgrund eines längeren Dochtstandes wird die Flamme erheblich größer, die Verbrennung unvollkommen und die Flamme neigt zum Rußen.

Farbe

Das Durchfärben der gesamten Wachsmasse ist heutzutage seltener geworden. Es erhöht vielleicht die Schönheit einer schlanken Kerze, ist für eine gute Kerzenqualität aber nicht notwendig. Die meisten Kerzen haben einen ungefärbten Körper und werden mit einer farbigen Masse "übertaucht" Modische Kerzen erhalten häufig einen Lacküberzug. Beim Färben verwendet man z.B. Pigmentfarben (organische Farbpulver) oder die fettlöslichen Anilinfarben.